Der Sammler Wolfgang Haney, sensibilisiert durch eigene Erfahrungen von Verfolgung in der NS-Zeit, begann in den neunziger Jahren, Bildpostkarten mit judenfeindlichen Motiven zu erwerben und trug eine Sammlung von rund 1000 Exemplaren zusammen. Die meisten Karten stammen aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und wurden in Deutschland und Österreich gedruckt, aber auch andere europäische Länder und die USA sind vertreten.
Aus den judenfeindlichen Postkarten eröffnet sich eine Fülle von Fragen, beispielsweise nach der Entstehung, Verbreitung und Wirkung antisemitischer Bilder oder nach der Durchdringung des Alltags mit judenfeindlichen Vorstellungen in der Wilhelminischen Zeit. Die Bildpostkarten müssen als ein wichtiges Medium visueller Kommunikation gesehen werden, das auf eine scheinbar harmlose und beiläufige Weise judenfeindliche Stereotypen verfestigt und "Bilder" in den Köpfen verankert.
Wolfgang Haney hatte seine Sammlung von Beginn an mit dem Ziel angelegt, sie der wissenschaftlichen Forschung und für Ausstellungen zur Verfügung zu stellen. Diese Anregung und die Initiative der Marburger "Arbeitsgemeinschaft Rassismus und Antisemitismus in visuellen Medien" am Kunsthistorischen Seminar der Universität Marburg waren der Anstoß, der zur Ausstellung "Abgestempelt" mit einem umfangreichen Katalog führte.
Die Wanderausstellung ist ein gemeinsames Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung, des Jüdischen Museums Frankfurt und des Museums für Post und Telekommunikation, Frankfurt/Main, in Kooperation mit der Marburger Arbeitsgruppe.
Der Eintritt in die Ausstellung ist frei. Der Katalog zur Ausstellung kostet 18 Euro.
Dokumente aus der Sammlung Wolfgang Haney werden derzeit (bis 10. September) auch im Osnabrücker Erich Maria Remarque-Friedenszentrum unter dem Titel "... und wir hörten auf, Mensch zu sein" gezeigt. Sie spiegeln die Situation in Polen vom deutschen Überfall 1939 bis zur Befreiung 1945 wider - ergänzt durch Polens Beitrag zum Gedenken an den Besatzungsterror und die Konzentrationslager.
Zur Ausstellung wird eine letzte öffentliche Führungen am Samstag, 23. September, um 11.30 Uhr, oder auf Anfrage unter Telefon 0541 323-2207 angeboten.




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