Mit dem Jahrestag der Verkündung des Westfälischen Friedensschlusses von 1648 von der Treppe des Osnabrücker Rathauses wird alljährlich in Osnabrück am 25. Oktober der Friedenstag gefeiert. Aus diesem Anlass ziehen in diesem Jahr am 18. Oktober 1350 Schüler der vierten Klasse der allgemeinbildenden Schulen Osnabrücks mit selbstgebastelten Steckenpferden und bunten Hüten durch die Innenstadt. Das 61. Steckenpferdreiten zum "Lobe des Friedens" symbolisiert den Ritt der Friedensboten, die 1648 die vom Osnabrücker Rathaus ausgehende Friedensbotschaft in alle Landesteile getragen haben sollen.

Steckenpferdreiter, Foto: Bettina Meckel
Schülerinnen und Schüler aller vierten Grundschulklassen an Osnabrücker Schulen treffen sich um 17 Uhr an der Johanniskirche, wo sie von Oberbürgermeister Boris Pistorius begrüßt werden. Das eigens für das Osnabrücker Kinderfest komponierte Lied "Wir Reiter zieh’n durch Osnabrück und singen für den Frieden" wird gemeinsam von allen Schulklassen gesungen.
Um 17.15 Uhr startet der lebhafte Umzug durch die Johannisstraße über den Neumarkt, die Große Straße, den Nikolaiort, die Krahnstraße, die Marienstraße und die Heger Straße. Diese Route bereitet den Kindern einen belebten Hintergrund für ihren Umzug durch die Innenstadt. Der Neumarkt ist von circa 17.20 bis 18 Uhr für Kraftfahrzeuge gesperrt.
Gegen 18 Uhr wird der Umzug der Kinder auf dem Markt eintreffen, wo alle Kinder mit ihrem Steckenpferd über die Rathaustreppe "reiten". Dort überreicht der Oberbürgermeister jedem Kind eine süße Brezel. Anschließend wird auf dem Marktplatz mit Musik von Stephan Rodefeld und seiner Band Queeen Swing & The Rock'N'Royals, einem Feuerschlucker und einer Lasershow gefeiert. Mit einem Feuerwerk wird die Veranstaltung gegen 19 Uhr beendet.

Steckenpferdreiter und Oberbürgermeister Boris Pistorius, Foto: Friso Gentsch
Als Gäste werden in diesem Jahr auch Schülerinnen und Schüler der sechsten Klasse der Ismail-Kaymak-Schule aus dem türkischen Çanakkale teilnehmen, die anlässlich eines Schüleraustausches mit der Hauptschule Innenstadt zu Gast in Osnabrück sind und sich intensiv auf das Steckenpferdreiten vorbereitet haben.
Die Tradition des Steckenpferdreitens geht auf das Jahr 1650 zurück. In dem Jahr des Friedensexekutionshauptrezesses sollten in Nürnberg die praktischen Folgen aus dem zwei Jahre zuvor geschlossenen Westfälischen Friedensvertrag geregelt werden. Damals ritten Nürnberger Jungen mit Steckenpferden zu Fürst Piccolomini, dem Beauftragten des deutschen Kaisers Ferdinand III., um ein "Friedensgedächtnis", ein Andenken an den Frieden, zu erbitten. Piccolomini ließ nach Abschluss des Exekutionsrezesses eine große Anzahl von silbernen, viereckigen Gedächtnispfennigen prägen, die auf der einen Seite einen Jungen als Steckenpferdreiter zeigen. Auch die Jugend erhielt die Münze, "um die Friedensfreude in die nächste Generation weiterzuvermitteln".
Die emsländischen Dichterinnen Clara und Emmy von Dincklage bearbeiteten 1875 in ihrem Buch "Geschichten für die Jugend" das Nürnberger Ereignis. In ihrer Sage ist der Schauplatz der Handlung die Friedensstadt Osnabrück. Die von Oberbürgermeister Pistorius ausgeteilten Brezeln sollen die Erinnerung an den Frieden von 1648 symbolisieren.
Die Geschichte der Schwestern von Dincklage war letztlich die Quelle für das Osnabrücker Steckenpferdreiten, das 1948 der damalige Stadtarchivar Ludwig Bäte (1892-1977) anlässlich des 300. Jubiläums des Westfälischen Friedens im Rahmen der Friedensgedächtniswoche der Stadt Osnabrück ins Leben rief. Damals ritten rund 100 Jungen zu Ehren des Friedens durch die vom Krieg zerstörte Altstadt und umrundeten den Marktplatz zweimal.
Seit 1953 wird das Osnabrücker Steckenpferdreiten jährlich und in erweiterter Form veranstaltet. Seitdem hat es sich zu einem überregional bekannten Kinderfest etabliert. Veranstalter des Steckenpferdreitens ist das Projektbüro im Fachbereich Kultur der Stadt Osnabrück.